Vereinsgeschichte des Schützenverein Kallenbrock u. Umg. e.V

Die Gründungsjahre

Die frühen Jahre des Vereins zu ergründen und darzustellen entspricht dem Wunsch einer immer größer werdenden Anzahl von Vereinsmitgliedern, die erfahren möchte wie und wann in der schlichten Idylle des kleinen Dorfes Kallenbrock der Schützenverein gegründet wurde. Entstanden ist die nachfolgende Vereinsgeschichte aus den lebhaften Erinnerungen und Erzählungen unserer älteren Vereinsmitglieder, diversen Aufzeichnungen, Bildern und Zeitungsberichten. Sie soll das Bild der ereignisreichen acht Jahrzehnte des Schützenverein Kallembrock vermitteln.

Junge Leute kamen mit Wimpeln und Klampfen (Zupfinstrument/ Gitarre) ins Dorf. Es waren nicht die ersten Wandervögel, die von „Junkern Mutter“ aufgenommen und versorgt wurden und zum Dank in der Abenddämmerung Heimat- und Wanderlieder vortrugen. Es waren die Botschafter einer neuen Generation, die sich in schwerer Zeit weder durch Parteihass noch durch soziale Spannungen daran hindern ließen, die Freude in der Gemeinschaft zu erleben.

Diese Impulse eines unbekümmerten Neubeginns fanden hier eine gesunde Resonanz und suchten Erfüllung in einer fröhlichen Vereinigung. In anderen Orten gründete man damals wohl Gesang- und Sportvereine. Hier in Kallenbrock dachte man von Anfang an mehr an den Schießsport.

In den ersten Tagen des Jahres 1926 traf sich die Dorfjugend häufiger als sonst abends in der Stube bei Gödeckes. Immer wieder war davon die Rede, einen Verein zu gründen. War es nicht ein wenig vermessen, in diesem kleinen Ort etwas zu beginnen, was größeren Ortschaften oftmals schwer genug fiel?

Aber die Idee schien festzusitzen. So wollten die Jungverheirateten und das „Mittelalter“ nicht abseits stehen, wenn es die Jungen so erst damit meinten. Diese benötigten ohnehin ihren aktiven Beistand und Rates, sollte etwas solides entstehen.

So trafen sich eines Abends alle zusammen bei Gödeckes, um den Kallenbrocker Schützenverein zu gründen:

Herman Gödecke, Jungbauer, Hof Nr. 4, dessen Bruder Friedrich Gödecke, Maurerlehrling, dessen Schwager Adolf Sauer, Landarbeiter, dessen Brüder Rudolf Sauer, Landarbeiter und Otto Sauer, Maurergeselle, Haus Nr. 11 Albert Hilmer, Jungbauer Hof Nr. 5 Otto Giere, Landwirt Hof Nr. 1 Ludwig Harms, Landwirt, Haus Nr. 10 Friedrich Bombeck, Landwirt, Hof Nr. 2 Otto Wunder, Sägereiarbeiter, Haus Nr. 1a Albert Heuer, Landwirt, Hof Nr. 7

Diese elf Vereinsgründer sprachen sehr bald von praktischen Dingen, die mit der Veranstaltung eines Schützenfestes zusammenhingen. Aus diesem Grund hatte der Schriftführer, Otto Wunder seine neue Heftkladde, das erste Protokollbuch, gar nicht berührt, als man zu später Stunde heimwärts strebte.

Vielleicht waren Sie sich Ihres Handelns auch nicht so sicher, nur so lässt sich erklären, weshalb die erste Satzung und somit ordnungsgemäße Gründung erst später kurz vor den Fest, nämlich am 23. April 1926, verfasst worden ist. Zwischenzeitlich waren weitere Mitglieder hinzugekommen, die ebenfalls namentlich aufgeführt worden sind:

Adolf Gödecke, Haussohn, Hof Nr. 4 Wielhelm Niemann, Landwirt, Hof Nr. 6 Hermann Reder, Gatterschneider, Haus Nr. 1a

und als Feldnachbarn aus Hamborg die Landwirte

Hermann Moritz und Willi Müller

War die Gründung selbst eine ausschließlich Kallenbrocker Angelegenheit, so ergab sich mit dem zunehmenden Beitritt auswärtiger Mitglieder die Bezeichnung:

Schützenverein Kallenbrock und Umgebung

Im Laufe des Jahres kamen immer mehr Mitglieder hinzu, so dass der Verein bereits am Ende des Jahres 1926 bereits 31 Mitglieder zählte.

Gründungsatzung von 1926

Der erste Vorstand setzte sich wie folgt zusammen: L. Harms , Vorsitzender W. Gödecke, stellv. Vorsitzender R. Sauer, Rechnungsführer F. Gödecke, Stellv. Rechnungsführer H. Buhr und O. Wunder, Beisitzer O. Sauer, Kommandeur A. Sauer, Leutnant

Bei Ihren Angehörigen fanden die Vereinsgründer eine unerwartet große Zustimmung. Kinder, Frauen und die Alten, sie alle machten den Schützenverein zu ihrer eigenen Sache, bis der 2.Weltkrieg eine zeitweilige Ruhe erzwang. Alle halfen und rüsteten alljährlich zum Schützenfest, jeder auf seine Weise. Die Bauern schlachteten neben dem üblichen Schwein oftmals auch ein Rind und heizten zum Backen die großen Backöfen an. Alle Verpflichtungen, gelegentlich Verwandte und Bekannte einzuladen, wurden in die Zeit des Schützenfestes verlegt. Dies bewirkte einen verstärkten Zuspruch der Veranstaltungen. Für die Bauern war es damals auch kein besonderes Problem, geladenen Vereinsabordnungen, Scheibengucker und Musikanten mittags und abends in Ihren Häusern zu beköstigen. Ganz Kallenbrock war ohnehin eine Festgemeinschaft und jeder war praktisch bei jedem zu Gast.

Aber bis zum ersten Schützenfest 1926 war noch viel zu tun. Ein Schießstand musste hergerichtet werden. Den Platz hatte man schon ausgesucht. Am Reinstorfer Weg, inmitten der Koppel von Hermann Gödecke, fand sich ein ungenutztes und unebenes Geländes, Reste der alten Kommunion-Poststraße von Hamburg nach Braunschweig, wie wir heute wissen.. Hier wurde in Richtung Süden, gegen den Berg, eine 150 m lange Schießbahn ausgeworfen. Zur seitlichen Sicherung wurden die Wälle mit Birkenanflug bepflanzt. Die Schützen saßen am Nordende unter der Zeltplane, die man über ein paar Pfähle gespannt hatte, gegen Sonne und Regen geschützt. Der Scheibenstand im Süden wurde aus einer Grube in der Schießbahn bedient. Ein großer Sandhügel diente als Kugelfang. Immerhin, der Schießstand wurde rechtzeitig fertig und auch zur vollen Zufriedenheit des Wachtmeisters Kramer von diesem abgenommen. Zwei Militärkarabiner (lang) wurden angeschafft. Den einen lieferte Ludwig Harms für 70RM, den anderen der Büchsenmacher Hoffmann aus Uelzen. Dieser sorgte auch dafür, dass den Bestimmungen des Versailler Vertrages entsprechend, die Magazine jeweils nur eine Patrone aufnehmen konnten. Ummantelte Geschosse durften damals nicht benutzt werden, weshalb mit schierem Blei geschossen wurde. Nach jedem Preis- und Königsschießen durchsuchten die Kinder, die zerschossenen Planken des Kugelfanges und gossen zu Hause Bleisoldaten daraus.

Mit dem Hofbesitzer Kötke (heute Hof Brammer) wurde vereinbart, seinen Hofplatz als Festgelände herzurichten. Zusammen mit dem davorliegenden Wendeplatzes des Dorfes bot sich hier genügend Raum für alle Lustbarkeiten. Das Tanzzelt wurde längs der Gödeckschen Grenze dicht an die geöffnete Scheune gestellt, welche damit als Trinkzelt diente. Direkt daneben ragte aus einem einfachen Zeltverschlag ein Ofenrohr in den Himmel. Es zeigte an, dass hier zwei fleißige Köchinnen zu Werke gingen, die jahrelang mit dem Schützenverein verbunden blieben und für das leibliche Wohl der Schützen sorgten. Wer wollte sie wohl nicht mehr kennen, Oetzmanns Mutter und Remiß´s Dortchen aus Nettelkamp. Das Tanzzelt, 200 qm groß, stellt der Gastwirt Grote aus Bomke bereit, wofür ihm das Schankrecht eingeräumt wurde.Die musik kam aus Nienwohlde, damals für 9 RM pro Mann den ganzen Tag. In der Kapelle Lindloff schwang zunächst der Vater, später der Sohn den Taktstock auf den hiesigen Schützenfesten bis in die sechziger Jahre hinein.

Auch an die Vergnügungen der Kinder war von Anfang an gedacht. Verkaufsbuden mit Lebkuchenherzen, türkischem Honig und rotem Zucker standen neben der Schießbude. Dazwischen hatte Werner Baucke aus Nettelkamp und Holsten Vater ihre frisch per Bahn aus Hamburg geholten Delikatessen ausgebreitet. Bücklingen und geräucherten Schellfisch. Schon am Vorabend langten die Schützen kräftig zu, nachdem sie mit viel Mühe und Geduld das Zelt errichtet hatten. Dies wurde zur Gewohnheit und späterhin als „Heiligabend“ bezeichnet.

Mitten auf dem Festplatz stand das reich verzierte Karussell des Meisters Hausschild aus Gifhorn. Dieser stieg gegen Mittag nach der Kirchzeit in das Mittelgerüst und drehte die Orgel, während seine Frau kassierte und für Ordnung unter den Kindern sorgte. Ein paar stärkere Jungen trugen nachmittags stolz eine Silberschleife als Freifahrtschein im Knopfloch, denn sie hatten bereitwillig das Karussell gedreht, solange das Pferd ausruhte und hinter dem Zelt friedlich weidete.

Das erste Schützenfest im Mai 1926 fiel auf einen regnerischen Tag. Trotzdem marschierten die Schützen fröhlich hinaus zum Schießstand, umringt von einer bunten Kinderschar. Die Mädchen mit hellen Kleidern und mit großen Seidenschleifen in den Zöpfen. Die Jungen in kurzen Hosen und langen Strümpfen, meistens in Matrosenblusen, und fast alle kahl geschoren oder mit einem Pony-Haarschnitt.

Bester Schütze und somit der erste Schützenkönig, wurde Friedrich Gödecke, welcher mit Musik im Triumphzug in das Dorf einmarschierte. Beim Umtrunk auf dem Festplatz fiel ihm ein, dass ihm ja eigentlich eine Königin fehlte. Da traf es sich gut, das seine Cousine zur Hand war. So wurde die damals in Wrestedt wohnende Frau Frieda Zahrte, geborene Gödecke die erste Schützenkönigin in Kallenbrock. Das Königspaar führte Schützen mit ihren Damen an die Festtafel und die Aufwartefrauen (heute Bedienungen) setzten sich in Marsch. Von diesem ersten Königsessen sind besonders humorvolle Trinksprüche überliefert und der anschließende Königsball verlief in harmonischer Gemütlichkeit.

Fortsetzung folgt….

Quellen : Erzählungen von Hermann Bombeck Der Heidewanderer 51. Jahrgang – Nr. 2/ Januar 1976 Archiv des SV Kallenbrock u. Umg. e.V. Bilder Fam. H. Bombeck

   
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